"RWE-Trasse" im FFH-Gebiet Beckertanne

 

 

Für eine handvoll Sand

Was haben Sandhaufen mit Naturschutz zu tun? Dese Frage wird sich der eine oder andere beim Vorbeigehen sicher gestellt haben. Die Erklärung ist einfach! In den vegetationslosen Perioden nach der letzten Eiszeit wurden Rheingeschiebe, Gerölle, Kiese und Sande aus den Kalkalpen stammend durch den Wind transportiert und an vielen Stellen, besonders in Südhessen abgelagert. So entstanden Binnendünen die man auch als Flugsanddünen bezeichnet. Sie waren durch besonders wenig Wasser- und Nährstoffangebot gekennzeichnet und spezialisierte Arten, Tiere und Pflanzen genauso wie Moose und Flechten fanden hier ihren Lebensraum. Nur wenige dieser Arten konnten und können sich außerhalb solcher Bereiche, gegen die konkurrenzstarken Ubiquisten (überall verbreitete Arten) durchsetzen und sind somit auf Sonderstandorte angewiesen. Heute findet man nur noch wenige echte Binnendünen und Sandrasen. Meistens werden auf diesen Flächen mittlerweile Spargel angebaut oder sie sind mit Kiefern dicht bestockt und die Sonne erreicht kaum noch den Boden. So lohnt es sich diese naturschutzfachlich hochwertvollen Standorte zu schützen und zu entwickeln. Der Sand der hier im Projekt zum Einsatz kommt entstammt Baustellen aus der unmittelbaren Umgebung. Baugruben legen mächtige Flugsandsandschichten frei, die seit tausenden von Jahren dort unberührt liegen. Diese Sande sind in der Regel basisch und haben pH-Werte von 7,5 bis 8,5, genau was viele der hier vorkommenden Pflanzen, Moose und Flechten brauchen.


Wir machen große Haufen

Kipper für Kipper wird der Sand eng geschüttet und später mit einem Löffelbagger ein wenig modelliert. Mindestens 1,5 Meter Schütthöhe sollten erreicht werden, es gehen aber auch 3-4 Meter wenn genug geeigneter Sand verfügbar ist. Nach einer Ruhezeit wird dann vorsichtig sogenanntes "Rechgut" aus anderen bereits gut entwickelten Flächen übertragen. Man könnte diesen Vorgang als Beimpfung bezeichnen. So werden nach und nach andere Arten ganz von selbst folgen und die Flächen entwickeln sich zu artenreichen, blühenden Naturschutzkleinoden.


Im Juni blüht der Ausdauernde Lein

In Deutschland sehr selten geworden, blüht hier der Ausdauernde Lein (Linum Perenne) ab Mai/Juni und bildet zur Zeit einen kleinen aber stabilen Bestand. Dieser Bestand wird als der größte Deutschlands angesehen und soll in den nächsten Jahren durch viele kleine Maßnahmen gefördert, und im Gebiet verbreitet werden.

Artikel in Wikipedia

Das Echte Federgras

Das Echte Federgras (Stipa pennata) kommt besonders auf basenreichen, häufig kalkhaltigen und nährstoffarmen Böden vor. Die Art ist sehr selten geworden und auf der RWE-Trasse noch mit kleinen Beständen vorhanden. Die Art ist deutschlandweit besonders geschützt und wird als gefährdet eingestuft.


Gut getarnt

Die Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) ist gut getarnt. Breitet sie jedoch ihre Flügel aus sieht man die leuchtend blauen Unterflügel. Die Art ist auf trockene, vegetationsarme Standorte angewiesen und wird in der Roten Liste Deutschlands als Kategorie 3: "Gefährdet" eingestuft.

Kalkliebhaber

Das Weißbindige Wiesenvögelein (Coenonympha arcania) ist eine typische Art kalkreicher Sandrasen, lichtdurchfluteter Wälder und Waldränder und ähnlicher Habitate.

Der Schwalbenschwanz...

ist einer der größten und schönsten Falter Deutschlands. Er bevorzugt sonnige, offene Landschaften, mageren Wiesen und blütenreiche Sandrasen. Im Gebiet kommt er recht häufig vor. Hier sitzt er auf einer Kartäusernelke.

Der Aurorafalter...

lebt auf mageren und trockenen Wiesenbereichen aber auch auf Feuchtwiesen, sowie in lichten und feuchten Wäldern. Die Art ist nicht selten und im Projektgebiet regelmäßig am Ausdauernden Lein zu finden.

Die Sand-Silberscharte

Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides) ist eines der botanische Highlights der RWE-Trasse. Als echte Spezialistin für magere und trockene, basische Standorte, besiedelt sie lückige Sandrasen, lichte Kiefern-Trockenwälder und Binnendünen. Eine Anpassung an extreme Lebensräume ist die bis zu 2,5 m tiefe Pfahlwurzel, die ein Überdauern auch bei großer Trockenheit ermöglicht. Jurinea Cyanoides ist eine Art des Anhang IV der FFH-Richtlinie. Die hessische Rote Liste (HMUKLV 2008) sieht die Sand-Silberscharte als „gefährdet“ an, nach KROLUPPER & SCHWABE (1998) könnte die Art in Hessen allerdings in die Gefährdungskategorie 1 (vom Aussterben bedroht) eingeordnet werden. Damit ist die, nur noch in Einzelexemplaren vorkommende, Sand-Silberscharte eine Zielart für das Projekt.